Tote, Tote und noch mehr Tote

Sie werden „erfasst“ und „übersehen“ und mit „wo soll ich denn sonst parken“ billigend in Kauf genommen: Verkehrs-Unfallopfer.

Definitionsfrage

Ein „Unfall“ ist etwas tragisches, nicht vorhersehbares, nicht etwas dass durch Unaufmerksamkeit oder Abgelenktheit (menschliches Versagen) oder Ignoranz und Geschwindigkeitsübertretung (Fahrlässigkeit) hervorgerufen wird.

Die meisten sogenannten Auto-Unfälle sind also kein Schicksal sondern passen zumeist in eine der zwei vorgenannten Kategorien.
Auch „gerät“ ein Auto nicht von alleine auf Bürgersteige oder die Gegenfahrbahn, es geht (fast) immer ein schuldhaftes Verhalten des Autofahrenden voraus.

Wenn man an der Ampel steht und es fällt einem ein Baum aufs Auto, dann ist das ein Unfall.
Wenn man beim Rechtsabbiegen den Radfahrer „übersieht“, dann ist Fehlverhalten oder sogar Fahrlässigkeit, denn „Übersehen“ bedeutet immer nicht dorthin geguckt zu haben wohin es zum Steuern des Fahrzeugs notwendig und teilweise auch vorgeschrieben ist.

Autosüchtige (Teil-)Gesellschaft

Von 1000 Bundesbürgern haben mehr als 500 ein Auto, was bedeutet, dass wenn man die Bevölkerung mit Hilfe der Fahrzeuge ihrer Bewohner komplett evakuieren würde, es immer noch einige gäbe die ALLEIN im Auto sitzen!

Den dazugehörigen Stau am Kamener Kreuz braucht kann man sich sicher kaum noch vorstellen…

Das entspricht auch der bundesdeutschen Realität in der ein Wald einen Parkplatz haben muss, weil sonst keiner mehr dahin kommt, oder der Tatsache, dass es beinahe keinen urbanen Raum mehr gibt, in dem ein Auto steht oder fährt.
Bürgersteige, Radwege, Grünanlagen und Parks ausdrücklich inbegriffen!
So viele, dass man an manchen Orten nicht einmal mehr über die Straße kommt, weil alles zugeparkt ist…

Es gibt kein Recht auf einen kostenfreien Parkplatz auf öffentlichem Gelände, es ist dort allenfalls gestattet, dass haben wir ja früher schon mal geklärt!

Die Folgen

Die Folge davon sind noch immer rund 3000 Tote jedes Jahr, die horrende Zahl von etwa 383000 Verletzten im Jahr durch unser Mobilitätsverhalten.

2018 waren 3 275 Menschen auf deutschen Straßen ums Leben gekommen. Auch bei der Zahl der Verletzten ist im Jahr 2019 gegenüber 2018 ein Rückgang zu erwarten, und zwar um etwa 3 % auf rund 383 000. Dennoch bedeutet dies weiterhin täglich durchschnittlich 8 Todesopfer und mehr als 1 000 Verletzte im Straßenverkehr.

Zahl der Verkehrstoten sinkt im Jahr 2019 voraussichtlich auf neuen Tiefststand, destatis.de

Wie die Verkehrsstatistik eine Zahl, die, zusammengenommen, beinahe der Bevölkerungszahl von Berlin-Pankow entspricht als „neuen Tiefstand“ feiern kann, bleibt mir jedenfalls unverständlich. Und dabei sind die weiteren Geschädigten, also etwa Angehörige und Rettungskräfte noch nicht mal berücksichtigt.

Gäbe es jährlich 3000 Tote auf Inlandsflügen, wäre der Aufschrei der Bevölkerung wesentlich höher, die Regierung hätte längst irgendwas beschlossen. Doch das die Menge der Bevölkerung einer durchschnittlichen deutschen Stadt wie Bochum (ca. 365000 Einwohner) jährlich Tod und Verletzung erleidet, ist uns egal… Hauptsache der Verkehr fließt!

Die Schuld

Die Schuld dafür liegt auch in uns selbst, dass wir nicht entschiedener gegen diesen Zustand aufbegehren.
Uns an die #COVID19-Regeln zu halten ist inzwischen bei der Mehrheit in Fleisch und Blut übergegangen, das Nicht-Einhalten der StVO dagegen gilt als Kavaliersdelikt und wird kaum merklich sanktioniert.

Die Polizei hat nicht nur zu wenig Personal für Verkehrskontrollen, mehrheitlich kommen die wenigen Kontrollierten auch mit einem mehr oder weniger warnenden Zeigefinger davon, die Strafen jucken niemanden.
Der „Verkehrsminister“ hilft artig dabei und spendiert Formfehler für die StVO-Novelle, neue Autobahnen und Lufttaxis, während alle anderen Maßnahmen für Bahn- und Radfahrende eher im Promillebereich rangieren.

Die Landesregierungen und also auch der Berliner Senat bestehen überwiegend aus autofahrenden Politik-Hasenfüßen, die angesichts ihres bequemen Postens lieber nur Schein-Projekte durchwinken um RadfahrerInnen zum Schweigen zu bringen und ihre Auto-Wähler nicht zu verlieren (nicht wahr Berliner SPD, FDP, CDU und diese blau Nazi-Partei?).

Hoffnung gibt es nur auf Berliner Bezirksebene: Natürlich besonders in Friedrichshain-Kreuzberg, definitiv auch in Pankow und in einigen andren Bezirken flammt der Wille immerhin immer wieder mal auf.

Utopie

Im Verkehrsministerium braucht es endlich mal Personen, die vom Thema auch Ahnung und Expertise haben und weniger tief in der Automobillobby stecken: Wie wäre es denn mal mit Toni Hofreiter (Grüne) dem man gerne auch beratend mal Katja Diehl (She Drives Mobility) an die Seite stellen kann.

In Berlin muss die SPD zum Juniorpartner der kommenden G2R-Regierung werden oder einfach komplett raus aus der Regierung.
Ohne Frage gäbe es da in XHain mehrere Personen, die VerkehrssenatorIn werden könnten, damit die Verkehrswende nach MobG endlich mal richtig ins Rollen kommt…

Aber das ist ja nur meine Meinung, oder?

Quellen:

Author: Peter Wendel

"If you think you are too old to rock'n'roll then you are..." Lemmy Kilmister

Peter Wendel

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