Elterntaxis: Das Problem sind die Eltern

Schüler wollen gar nicht direkt bis vor die Schule gekarrt werden. Aber die Eltern wollen es so.

Gefährlicher Hindernisparcours

Die Straßen rund um viele Schulen des Landes verwandeln sich morgens in zugestaute, gefährliche Hindernisstrecken für jeden, der dort nicht mit dem Auto unterwegs ist:
Eltern parken mit ihren Autos auf jedem freien Stückchen Fläche, wenden rücksichtslos und achten häufig nicht auf die Kinder anderer… Elterntaxis mit Erwachsenen die oft selbst schon viel zu knapp vor dem Arbeitsbeginn mit Stress in den Tag starten, weil der Stau des motorisierten Individualverkehrs auf dem restlichen Weg zur Arbeit ja noch vor ihnen liegt.

Da könnte man meinen es wäre ein sinnvolles Angebot, den Elterntaxis feste Anlaufstellen zu bieten an denen man ohne Ordnungswidrigkeit und besonderen Stress die Kinder absetzen kann und diese gehen einfach das letzte Stück alleine.

Doch den Eltern gefällt das gar nicht: Sie schätzen diese Änderung ihrer täglichen Routine nicht und vermutlich bedeutet es für sie offenbar auch einen Kontrollverlust, wenn sie das Produkt früherer Extase nicht direkt vor dem Schulportal absetzen können und sich damit bestmöglich sicher sind, dass es überhaupt die Schule besucht.

Überhaupt sind ja aus Sicht hochmotivierter Eltern besonders die letzten Meter zur Schule voller Bösewichte und der Verkehr (!) ist so schlimm, dass das Kind da unmöglich alleine zurecht kommt.

Eltern ist oft nicht bewusst, dass sie viele dieser Gedanken erst gar nicht hätten, wenn sie zum einen einfach mal öfter ihren Kindern zuhörten und ihnen zum anderen auch öfter einmal wirklich etwas zutrauten, anstatt zu glauben, dass nur sie selbst diese „Probleme“ lösen könnten.

Ruhe für die Anwohner

Auch die Anwohner von Schulstraßen könnten ihre Umgebung wieder lebenswerter empfinden, wenn morgens keine Blechkarawanen durch ihre Viertel rollten, die dann zusätzlich tagsüber auch noch in zusätzlichen Parkdruck geraten, weil das Lehrpersonal ja auch nach Parkplätzen sucht…

Und so waren es auch die Anwohner, von denen sicher viele auch das Auto benutzen, die sich bei diesem Experiment in Stolberg bei Aachen durchaus positiv äußerten, obwohl sie ihre Fahrzeuge in ihren Einfahrten und Garagen abstellen mussten (eigentlich lustig, denn dafür sind diese ja auch da…).

Schüler-Experiment

Die Schüler des Goethe-Gymnasiums in Stolberg hatten in einer AG mit Hilfe eines Verkehrsplaners einen eigenen Schulwegeplan erstellt, der den Autoverkehr aus dem direkten Umfeld der Schule verbannte.

Man sperrte die Zufahrtsstraße und in zwei weiteren Straßen galt ein absolutes Halteverbot. Im Umkreis von 250 – 450m Entfernung von der Schule wurden an Supermärkten und einem ehemaligen Schwimmbad Elternhaltestellen eingerichtet, von denen aus die Schüler sicher und entspannt zur Schule laufen konnten.
Das Zufahrtsverbot galt zudem auch für die Lehrerschaft.

Schulwegepläne aus Schülerhand sind ein kleiner, aber probater Baustein, um die Verkehrswende voranzutreiben.

Bernhard Schlag, Verkehrspsychologe an der Universität Dresden

Auch bei Wissenschaftlern haben solche Pläne aus der Hand der Schüler selbst einen hohen Stellenwerte, denn „Schüler kennen die Gefahrenstellen auf ihren Wegen sehr genau“, führt Schlag weiter aus.
Sie hätten auch umsetzbare Lösungsvorschläge parat und wenn die Vorschläge direkt von ihnen selbst kommen, kommt das bei den Eltern auch besser an, als wenn einfach eine städtische Anordnung dazu erlassen wird.

Das Problem sind die Gewohnheiten der Eltern, die durchbrochen werden müssen.

Bernhard Schlag, Verkehrspsychologe an der Universität Dresden

Auftakt zur Umgestaltung

Die Stadt hat die Lösungen der Schüler zwar nach der europäischen Mobilitätswoche, die den Rahmen für dieses Experiment bildete, wieder verworfen, möchte aber trotzdem nun das Viertel um die Schule herum neu ordnen und Fahrbahnparkplätze sowie das Tempo reduzieren. Das Lehrpersonal soll langfristig ebenfalls auf einem zentralen Parkplatz landen.

Der Grundgedanke mag zwar positiv sein, doch wissen wir alle, dass der Bau von neuen Parkplätzen für das Lehrpersonal und weniger Parkplätze vor der Schultür zu irgendeiner nennenswerten Verkehrsreduktion führen werden:
Man hätte einfach die Pläne der Schüler verstetigen sollen.

Für die engagierten Schüler steht jedenfalls fest, dass sie, damit sich wirklich was ändert, weiter dranbleiben müssen.

Mutlose Politik

Am Ende bleibt wieder der fade Nachgeschmack mutloser, autofahrender Politiker die in ihren eigenen Gewohnheiten gefangen sind und auch hier nicht einmal, wenn ein gut ausgearbeiteter Plan vorliegt, diesen einfach umzusetzen vermögen.

Diese Verhalten sehen wir in ganzen Land und egal ob es sich um Entscheidungen zu Verkehrsthemen, Klimathemen oder Pandemiethemen handelt: Es herrscht überall hasenfüßige Halbherzigkeit.
Kein Wunder das Politiker allgemein nicht besonders beliebt sind.

Quellen:

Author: Peter Wendel

"If you think you are too old to rock'n'roll then you are..." Lemmy Kilmister

Peter Wendel

"If you think you are too old to rock'n'roll then you are..." Lemmy Kilmister





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