#Copenhagenize: Trittbretter für Radfahrer

Die Berliner Verkehrsbubble staunt und diskutiert: Dänisches Design auf deutschen Straßen!
Trittbretter für wartende Radfahrer in Berlin-Pankow.

Geteilte Meinung

Wie immer, wenn etwas in der Stadt auftaucht, wird es mit geteilten Meinungen empfangen.
Auch ich hatte eine kleine Diskussion mit dem FUSS e.V. über den Platz der Installation und Prinzipien solcher Gehwegbebauung.

Grundsätzlich bin ich durchaus einer Meinung mit dem FUSS e.V. wenn es darum geht nicht alles sinnlos immer auf dem Gehweg abzuladen:
Wir akzeptieren bereits das Parken von Motorrädern und Fahrrädern, geben mehr als reichlich Platz an die Außengastronomie ab und womöglich wirft man nun auch bald zu hunderten Ladesäulen auf die Gehwege, auf denen ja auch sonst schon alle anderen Straßenmöbel stehen (Laternen, Litfaßsäulen, Straßemschilder etc.)

Dennoch greift es mir persönlich zu weit, wenn man aus Prinzip gegen solche Einrichtungen ist und damit dann jeglichen Fortschritt von vornherein sinnlos torpediert.
Es ist viel wichtiger auf die konsequente Einhaltung der ohnehin schon bestehenden Regeln zu sehen und zwar in jedem verdammten Einzelfall bei dem etwas auf die Straße gestellt wird.

Es gibt Regeln über die Mindestbreite des freien Gehwegs, Regeln für die Breite und Führung von Radverkehrseinrichtungen, Regeln für die Außengastronomie, Litfaßsäulen, Marktstände etc.
Das alles ist völlig ausreichend, wenn es, berlintypisch, jemanden gäbe der sowas überwacht.

Ich bin so alt, dass ich mich erinnere, dass früher so etwas durch die regelmäßig in Haupt- und Nebenstraßen präsenten Kontaktbereichsbeamten (eine frühere, aber dafür funktionierende Form der Ordnungsamtes) geschah, die ihre Pappenheimer in ihrem Revier kannten und also auch tatsächlich mit entsprechendem Augenmaß zu reagieren wussten, ob z.B. wegen unbotmäßiger Straßenlandnutzung tatsächlich die Keule des Gesetzes ausgepackt werden muss oder der neue Kellner beim Aufstellen der Tische bloß mal nicht aufgepasst hat.

Das heutige Ordnungsamt ist dagegen nicht multitaskingfähig: Entweder sie kontrollieren was im ruhenden Verkehr oder Hundekacke im Park, aber nie beides. Dazu der unnötige Behördenpingpong zwischen ruhendem und Verkehr und dem undefiniertem Anderen, welches für den im Verwaltungsrecht unkundigen am konkreten Falschparker nicht erkenntlich ist.

Kehren wir nach diesem Ausflug mal zu den Bügeln an der Prenzlauer Allee/Ostseestraße zurück…

Die Position der Bügel

Wenn wir das zuvor diskutierte hier anwenden lässt sich leicht erkennen, dass die im Tweet oben angesprochenen Bügel keine unbotmäßige Verengung des Gehweges bedeuten: Der Raum zwischen Bügel und Hauswand beträgt 5 – 6 m, selbst die Litfaßsäule und die Radbügel dahinter verursachen keine Einschränkung des Gehweges die einem im Rahmen einer Mindestbreite irgendwie verdächtig vorkäme.

Technisch bedingt sind sie hinter dem breitesten Bordstein auf der Gehwegseite eingebaut. Nur dort lässt sich ein Betonfundament gießen in dem die Bügel stecken.

Sie können nicht einfach auf der Radwegseite eingebaut werden, weil sie diesen dann auf ein unzulässiges Maß einengen würden.
Ein Einbau auf der Radwegseite hätte also der Vorschrift nach dazu geführt, die gesamte Konstruktion der Kreuzung für entsprechend gewaltige Baukosten ändern zu müssen(Fahrspuren, evt. Tramgleisführung, Ampelanlagen…), nur um (zunächst) ein paar neue Bügel zu testen.

Wartebügel für Radfahrer
Genügend Gehwegbreite vorhanden, damit die Bügel niemanden stören

Das ist hier einfach nicht notwendig. Es ist genug Platz, wie man an meinem querstehenden (frisch geputztem) Rad erkennen kann.
Zudem lässt das Fußgängeraufkommen an einem Samstag Mittag vor einem Bio-Markt im Prenzlauer Berg erahnen, dass es hier eher zu wenig Parkgelegenheiten für Räder gibt, als zu schmale Gehwege.

Das gilt für die anderen drei Ecken im übrigen auch.

Jaywalking gibt es hier ohnehin nur als Abkürzung durch die Fahrzeuge zur Fußgängerfurt, da es durch die Tramgleise in der Mitte an anderer Stelle als der Fußgängerfurt eh nicht gut möglich ist.
Sie stören offenbar nicht, schon gar nicht die eine Person die von der Verkehrsinsel in der Mitte gleich bis hinter die Lifaßsäule abkürzte, was eher unvernünftig ist.

Die Bügel an sich

Die Bügel an sich sind eigentlich nur ein Symbol der Anerkennung des Radverkehrs als solcher. Auch in Kopenhagen stehen sie bei weitem nicht an jeder Kreuzung und sind natürlich eher ein Gimmick wie LED-Straßenlaternen im Gaslaternen-Design in einem Altstadt-Viertel.
Sie sind etwas, dass die Zufriedenheit erhöht, nicht vorrangig die Sicherheit. Sie sind, bildlich gesprochen, die Sitzheizung des Radverkehrsteilnehmers.

Deshalb ist ihre Symbolkraft durchaus wichtig für eine Verkehrswende.

Die Konstruktion selber könnte aber tatsächlich noch etwas besser sein, die Trittbretter könnten immerhin bis zum Bordsteinende auskragen, damit auch kleinere Menschen sie bequem nutzen können.
Für den ersten Test aber schon mal nicht übel.

Man muss auch nicht unbedingt den Fuß darauf stellen, „Linksfüßer“ wie ich halten sich da eher mit der Hand am Geländer fest, was auch gut funktioniert.

Wenn man es noch besser machen möchte, sollte man also das Auskragen des Trittbrettes vergrößern, was dazu führt, dass man entweder einen größeren Rohrquerschnitt oder/und einen dickeren Stahlmantel dafür benötigt, damit es nicht wackelig wird.

Ansonsten: Leute freut euch!
Es handelt sich um ein Detail einer Fahrradinfrastruktur, welches tatsächlich nur von Radfahrern sinnvoll genutzt werden kann!
Das einzige andere Beispiel dafür, welches ich kenne, ist das Fahrradparkhaus in Bernau…

Wartebügel für Radfahrer

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Author: Peter Wendel

"If you think you are too old to rock'n'roll then you are..." Lemmy Kilmister

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