Deutschlands Autosucht (3) – Geisterräder

Die ungeheure Anzahl von Autos, nicht nur in Deutschland sondern weltweit, hat Folgen für uns alle: Menschen sterben durch sie.
Alle 24 Sekunden stirbt laut WHO ein Mensch auf der Straße.

3600 Tote täglich

Durchschnittlich sterben jeden Tag etwa 3600 Menschen im Verkehrsgetümmel dieser Welt.
Verkehrsunfälle sind offenbar die häufigste Todesursache bei Kindern und Menschen zwischen 5 und 29 Jahren.

Das ist ein inakzeptabler Preis, den wir für die Mobilität zahlen. Es gibt keine Entschuldigung für Untätigkeit. Es ist ein Problem mit nachgewiesenen Lösungen

WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus

Gut ein Viertel aller Todesopfer entfällt dabei auf die schwächsten Verkehrsteilnehmer, auf Fußgänger und Radfahrer.

Immerhin scheint die Zahl zwar zu wachsen, aber unter Betrachtung der wachsenden Autonutzung und steigenden Bevölkerungszahlen, ist sie sozusagen stabil.
An dieser Stelle, so die WHO, wirke sich die gestiegene Straßensicherheit in den Ländern mit mittleren und hohem Einkommen auf die Lage aus.

Natürlich haben wir im Alltag ja auch nicht die Verkehrstoten in Bangladesh im Fokus, aber letztlich, denken wir nur an die COVID19-Pandemie, würde sich Deutschland in einem heftigen Lockdown befinden, wenn hier 3600 Menschen täglich stürben.

Bei jedem Flugzeugunglück werden hinterher Maßnahmen gefordert, die so etwas verhindern, tödliche Verkehrsunfälle sind, wenn nicht gleich 100 Autos ineinander krachen, bei uns nur eine Randnotiz.

Es sterben Menschen

Was die täglichen Nachrichten dabei gerne ausblenden ist die Beteiligung von Menschen.
Da touchieren offenbar führerlose Autos andere Verkehrsteilnehmer, die sich in der Folge, so legen es die Texte oft nahe, sich bei dem Zusammenprall oder Sturz dann selbst verletzen.

Richtig ist, dass Polizeiberichte oft nur aus der Perspektive von Menschen im Auto geschrieben werden, weil sich der andere Unfallbeteiligte oftmals gerade in einem Rettungsfahrzeug befindet und seine Sicht gerade nicht beisteuern kann.

So endet es dann oft in einem „hätte er mal besser aufgepasst“.

Doch es sind insbesondere Autofahrer mit ihren tonnenschweren Gefährten, die, während sie zu schnell fahren, einen Blick aufs Smartphone werfen oder schlicht zu faul sind mal den Kopf zu drehen Menschen über den Haufen fahren.
Also „übersehen“ wie es dann so landläufig heißt.

2021-06-10, Berlin-Rahnsdorf, Foto: Peter Wendel, CC-BY-SA 4.0

Geisterräder

Um der Bevölkerung und den Regierungen klar zu machen, dass es Menschen sind, die dabei ums Leben kommen, gibt es vielerorts inzwischen Initiativen wie jene vom ADFC-Berlin, die am Unfallort ein weißes Geisterrad aufstellen.

Damit wird im Verkehr sichtbar, wo Menschen ihr Leben lassen mussten, haben auch angehörige und Freunde einen Ort der Trauer und sie mahnen alle anderen Verkehrsteilnehmer.
Immer wurde dabei jemand aus dem Leben gerissen und hinterlässt viele Menschen, die von diesem „Unfall“ in irgendeiner Form betroffen sind:
Rettungskräfte, PolizistInnen, Angehörige, FreundInnen, ÄrztInnen und PflegerInnen, NachbarInnen, VereinskameradInnen etc.

Und selbst wenn man auf dem Weg ist, um ein solches Geisterfahrrad aufzustellen, hören Beschimpfungen und auch motorisierte Gewalt um einen herum nicht auf…

Kollateralschäden

Verletze und tote Verkehrsteilnehmer gelten als Kollateralschaden, den man eben für seine automobile Lebensweise in Kauf nimmt.
Ebenso wie man menschenunwürdige Arbeitsverhältnisse bei den Schneidern der eigenen Bekleidung in Fernost oder auch nur beim Lieferservice um die Ecke ignoriert.

Folgen eines egoistischen, luxuriösen Lebensstils auf Kosten aller anderen und ohne Rücksicht auf die eigenen Kinder.

Quellen:

Author: Peter Wendel

"If you think you are too old to rock'n'roll then you are..." Lemmy Kilmister

Peter Wendel

"If you think you are too old to rock'n'roll then you are..." Lemmy Kilmister

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