Wer braucht Gorillas?

Vorweg: Ich habe als Alltagsradler durchaus großen Respekt vor jenen, die sich den ganzen Tag dem Verkehrsgeschehen einer Stadt wie Berlin aussetzen um dort überwiegend verwöhnte und faule Menschen zu bedienen und zu beliefern. 

Jeder Mensch, der sich mit diesem Job wohlfühlt, oder auch meint, dass sei seine Nische des Lebens, soll diesen Job auch gerne weiterhin ausüben und sein Leben nach seiner Überzeugung leben! 

Aber er/sie sollte aus meiner Sicht, des durchaus auch mal faulen Kunden, dieses unter akzeptablen Bedingungen tun und auch definitiv die Möglichkeit haben von diesem Job leben zu können. Und  das unter vernünftigen Bedingungen mit geeigneter Ausrüstung, wenn er/sie ihn  ausübt.

Das meine Pizza/der Einkauf dann teurer wird, ist im Gegenzug für mich akzeptabel. 

Das ein „Mindestlohn“ in Deutschland nicht bedeutet, dass ein Jeder auch mindestens diesen als Gegenwert für seine Arbeitskraft erhält, verdanken wir der Wirtschaftszentrierung der konservativen Bundesregierungen so lange ich politisch denken kann. Das ist Skandal, nichts anderes!

Wer braucht nun aber Gorillas?

In den Gegenden, in denen Gorillas (oder ihre Konkurrenten) bislang ihren Dienst versehen, braucht eigentlich kaum jemensch genau diesen Dienst. 

Meine steile These lautet, dass sicher mehr als 90% der Kundschaft in der Lage wäre, den „plötzlichen“ Bedarf auch fußläufig selbst zu decken.

Es sind sicher nur Wenige, die in irgendeiner Form immer oder zur Zeit so eingeschränkt sind, dass sie auf diesen Dienst „angewiesen“ wären. 

Die Lieferzonen von Gorillas und seinen Konkurrenten beschränken sich auf Gegenden, in den es genug Läden gibt und schlimmer noch: Sie schließen einmal mehr den lokalen Handel aus in dem sie ihre eigenen „Supermärkte“ einrichten, von denen aus sie ihre Fahrten erledigen. 

Eine eigene Infrastruktur, die wiederum betreiben und beliefert werden muss, die Energie kostet und zusätzlich CO2 produziert.

Das „Sterni“ wird ja nicht aus dem lokalen Späti geliefert, wo es eh schon rumsteht, sondern aus dem eigenen Lager. 

Das Argument, bestimmte Gebiete nicht zu beliefern, weil sie „so weit weg“ sind, ist ebenfalls nur vorgeschoben: Selbst bei mir im Norden Pankows sind es vom eigenen Wohnort aus kaum 7 Kilometer bis zu 3 verschiedenen Malls und nicht mal 2 km um die entfernteste Filiale eines der allseits bekannten Supermärkte und Discounter zu erreichen.

Wirklich innovativ

Wirklich innovativ wäre es ja, wenn es eine entsprechende lokale Lösung gäbe:
Fahrradkuriere beliefern die Kunden in ihrem Umkreis mit Waren aus den Läden in ihrer Umgebung.

Macht ein lokaler Laden schon um 18 Uhr zu, gibt es halt nix mehr aus diesem Laden, ansonsten rollen die Kuriere zum Geschäft, holen die Ware und bringen sie zum Kunden, was dann je nach Entfernung dauert.

Und zack, würde die ganze Stadt zum Liefergebiet mit einem mehr oder weniger großen Angebot.

Das stützt den lokalen Handel, rettet die Einkaufsstraße und steigert den Umsatz der ansässigen Händler und es braucht keine zusätzlichen Lagerkapazitäten.

Wahrscheinlich ist dieses Modell aber nicht kapitalistisch genug, um in einem hippen StartUp umgesetzt zu werden, denn von den Gründern solcher StartUps sind ja ein oder mehrere Gründer immer junge BWLler, die gerne Geld hätten und jemanden mit einer Idee gefunden haben.
 

Was bleibt

Persönlich werde ich wohl nicht in der Lage sein Gorillas oder seine Konkurrenz jemals zu nutzen. Ich habe das auch sonst nicht vor.

Gerne lasse ich mir an faulen Tagen mal das fertige Essen bringen, aber einen zusätzlichen Lieferanten für alltägliche Lebensmittel brauche ich, selber ja Radfahrer, nicht.
Sofern ich das auch gesundheitlichen Gründen brauchen sollte: Es gibt ja bereits Lieferanten für Lebensmittel, die auch bis zur mir an den Stadtrand fahren.

Womöglich liegt es eben auch daran, dass ich Radfahrer bin und ich beim Einkauf ohnehin anders gestrickt bin, als die radlose Fraktion:
Ich komme auf meinen Wegen ja eh an allen Geschäften vorbei. Ein fehlender Liter Milch ist eher Motivation wieder aufs Rad zu steigen, als einen Dienstleister zu rufen.

Und ich brauche auch nachts keine frischen Tomaten…

Author: Peter Wendel

"If you think you are too old to rock'n'roll then you are..." Lemmy Kilmister

Peter Wendel

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