Über Tourismus nachdenken

Jeder ist irgendwann einmal auf die eine oder andere Weise ein Tourist.

Das Bedürfnis von Menschen, die in einer Form privilegiert sind, sich eine Auszeit an einem anderen Ort als ihrer unmittelbaren Umgebung vorstellen und leisten zu können, wird sich auch nicht durch den Klimawandel bremsen lassen.

Aber vielleicht kann man ja mal über die Art und Weise nachdenken…

Ausflug nach Helgoland

Manchmal muss man es vielleicht in dieser Form auch erst einmal selbst erleben, um für sich zu bemerken, dass man das so eigentlich nicht gewollt hat. Unser persönlicher Moment war dieser Ausflug nach Helgoland.

Wir sind keine Pauschal-Touristen, planen Reisen eher von A bis Z selbst und frequentieren schon mangels Interesse keine Ferienflieger in den Süden, so dass uns Herden von Touristen mit denselbem Ziel sonst allenfalls mal beim Besuch einer Sehenswürdigkeit begegnen, im persönlich Reiseerlebnis aber nicht so präsent sind, wie sie es bei diesem Ausflug wurden.

Von Hamburg für einen Tagesausflug nach Helgoland erschien uns, auch unter den Corona-Bedingungen, eine kleine machbare Flucht aus dem Arbeitsalltag des Jahres.

Natürlich ist auch klar, dass die anderen Menschen auf diesem Schiff zumeist auch diesem Ziel folgen und man ganz sicherlich nicht mutterseelenallein an einsamen Stränden über diesen kleinen Felsen im Meer spazieren wird.

Erlebnis Massentourismus

Das erste Aha-Erlebnis kam einem dann beim Zwischenstopp in Cuxhaven, wo das bis hierher mäßig gefüllte Schiff plötzlich knackevoll wurde.
Hauptgrund ist ganz offensichtlich, dass die Tour von dort aus halt um die Strecke Hamburg-Cuxhaven billiger ist.

Aber okay, ein ausgelastetes Schiff ist ja auch umweltechnisch ganz sicher besser als ein halbleer fahrendes, denn schließlich ist Helgoland eher nicht wirklich umweltverträglich erreichbar, wenn man nicht schwimmt oder ein Segelboot zur Verfügung hat.

Den ersten Eindruck davon, dass das alles vielleicht irgenwie doch eher falsch läuft, bekommt man dann bei der Ankunft auf Helgoland, wenn man mit eigenen Augen realisiert, dass nicht nur die Menschen des eigenen Schiffes dort an Land strömen, sondern auch jene von weiteren Schiffen, die die Insel regelmäßig anfahren.

Hummerbuden auf Helgoland mit Tagestouristen, Foto: Peter Wendel, CC-BY-SA 4.0
Hummerbuden auf Helgoland mit Tagestouristen, Foto: Peter Wendel, CC-BY-SA 4.0

Mehrere tausend Menschen winden sich fortan vom Hafen quer über die Insel zur langen Anna und spätestens auf dem Rückweg durch den Duty-Free-Shop zurück zum Schiff.

Diese schiere Masse an Menschen als Geschäftsmodell stimmte zumindest uns dann im Verlauf doch eher nachdenklich.

Offensichtlich schwanken immerhin auch die Ansichten der Einwohner der Insel zwischen Totalvermarktung des Felsens und einem Erhalt der Natur und der ursprünglichen Verhältnisse.

Die Wirtschaft

Natürlich: Außerhalb des Tourismus gibt es auf der Insel kaum Geld zu verdienen und sobald die Tagesgäste weg sind, herrscht Ruhe und wohl auch eine gepflegte Langeweile auf der Insel, die letztlich dazu führt, dass junge Insulaner der besseren Chancen wegen aufs Festland abwandern.

Von irgendetwas müssen die Insulaner letztlich leben, dass will niemand bestreiten, und Tourismus ist sicherlich die einträglichste Einnahmequelle, dass steht auch ohne Zweifel fest.

Ob aber der althergebrachte Duty-Free-Tourismus, der früher die Insel in noch größeren Massen überfallen hat, da noch die zeitgemäße Lösung ist, finde sicher nicht nur ich fraglich.

Die Insel hat weniger Touristen verdient, die am besten länger bleiben sollten.

Das setzt voraus, dass es aber eben auch mehr Dinge gibt, die einen Touristen unterhalten, die er dort unternehmen kann.

Die Natur

Auch wenn Helgoland sinkende Besucherzahlen hat, ist es für den Erhalt (und damit für das Hauptkapital der Insel) notwendig diese zu begrenzen und die Natur noch mehr vor ihnen zu schützen.

Die Lummen auf den Felsen mögen sich vielleicht nicht viel an den Menschenmassen stören, die an ihnen vorbei ziehen, aber wenn man die Vögel buchstäblich anfassen kann oder fast schon auf die Jungen trampelt, dann ist der Mensch zu dicht dran.

Lummen auf ihrem Felsen. Nur Zentimeter von mir entfernt, Foto: Peter Wendel, CC-BY-SA 4.0
Lummen auf ihrem Felsen. Nur Zentimeter von mir entfernt, Foto: Peter Wendel, CC-BY-SA 4.0

Unser Fazit

Auch wir sind natürlich, wie alle anderen, über die zum Glück vorgegebenen und von den Touristen auch eingehaltenen Wege über die Insel gelaufen und haben, dass war ja auch das Hauptanliegen, tolle Fotos von Vögeln und der Insel an sich mitgebracht.

Horden die täglich eine ganze Insel langsam aber sicher zertrampeln, und unter denen womöglich einige sind, für die eher Zigaretten und Alkohol wichtig sind, sind allerdings nicht so unser Ding.
An diesem Tourismus möchten wir uns ungern nochmals beteiligen.

Quellen:

Hamburg und Helgoland

Flickr Album Gallery Pro Powered By: wpfrank

Author: Peter Wendel

"If you think you are too old to rock'n'roll then you are..." Lemmy Kilmister

Peter Wendel

"If you think you are too old to rock'n'roll then you are..." Lemmy Kilmister

One thought on “Über Tourismus nachdenken

Was sagst Du dazu?

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.





%d Bloggern gefällt das: