Verflixt: FlixTrain nur günstiger

FlixTrain ist nun auch auf einer von mir frequentierten Strecke unterwegs. Grund genug es mal zu testen.

Berlin-Hamburg

Zwischen Berlin und Hamburg bin ich doch recht häufig unterwegs und wenn es auf dieser Strecke dann ein günstigeres Angebot gibt, ist das natürlich schon einmal ein Anlass dieses  auszuprobieren.

Vor wenigen Wochen waren wir nach Hamburg unterwegs, um von dort einen Tagesausflug nach Helgoland zu machen und buchten Hin– und Rückreise mit FlixTrain und eine Woche später war ich nochmals auf Tour nach Hamburg mit FlixTrain, allerdings nur auf der Hinfahrt.

Das Angebot

Bucht man, wie bei der Deutschen Bahn, weit genug im voraus, kann man durchaus für 4,99 € pro Person nach Hamburg fahren.
Würde ich in 7 Tagen diese Strecke benutzen wollen, begännen die Preise bei 19,99 €.
Zur Fahrkarte gehört auch immer ein gebuchter Sitzplatz, so dass an sich niemand im Zug stehen muss.

Gegen einen Obulus kann man sich seinen „Wunschplatz“ auswählen und auch sogenannte „Komfortsitze“ oder Sitzplätze am Tisch buchen.
Dazu kann man, ohne weiteren Fahrschein, den Platz neben sich belegen und hat so noch mehr Platz.

Komfortsitze bieten mehr Beinfreiheit, Tischplätze erklären sich ja selbst.
Die Preise für die einfache Reservierung beginnt bei 3,99 €, der Komfortsitz liegt bei 4,49 €. Der Extraplatz neben sich schwankt im Preis je nachdem, was das eigentliche Ticket kostet.

Alles in allem also durchaus ein günstiges Angebot, welches den Geldbeutel schonen kann.

Grundsätzlich hat der FlixTrain-Fahrgast auch Anspruch auf die allgemeinen Fahrgastrechte bei Verspätung und Zugausfall, die über die Service-Hotline oder per Email abgewickelt werden müssen.

Ein weiterer wichtiger Umstand muss auch unbedingt erwähnt werden:
Tickets von FlixTrain gelten nicht für die Deutsche Bahn und umgekehrt.

Die Folge davon:
Fahre ich z.B. nach Hamburg um dort in einen Zug der Deutschen Bahn umzusteigen, der regulär und pünktlich fährt, und ich erreiche diesen Zug nicht, weil der FlixTrain Verspätung hat, ist das Ticket bei der Deutschen Bahn (in den meisten Fällen) schlicht dahin und umgekehrt genauso.

Dazu kommt:
Fällt ein FlixTrain aus, dauert es, auf Grund des teilweise geringen Zug-Angebots, entweder lange, bis man den nächsten Zug benutzen kann, oder es ist schlicht nicht möglich.
Bei der Deutschen Bahn gibt es da oft doch mehr Alternativen, schlicht durch das viel größere Angebot an Strecken und Routen.

Natürlich denkt niemand immer gleich das schlechteste, aber wenn man eine Reise plant, sind derlei Details durchaus bedenkenswert, insbesondere wenn die Zugfahrt aus mehreren Teilen besteht.

Im Zug

Die drei von mir benutzen Züge sind gewissermaßen Renovierungen von alten IC-Personenwaggons, die nun nur noch Großraumabteile haben. Die Sitze sind modern, lassen sich aber nicht in eine andere Sitzstellung bringen als jene, die sie nun einmal haben.
Der normale Sitz entspricht wohl eher einem Bussitzplatz, d.h. ich mit meinen 185 cm passe dort noch gerade herein ohne mit den Knieen irgendwo anzustoßen. Personen mit langen Beinen bekommen dort Probleme.

Ich bin mit meinen über 100 kg auch nicht unbedingt ein gertenschlanker Mensch, was bedeutete, dass ich nicht in der Lage war den Klapptisch des normalen Sitzes zu benutzen ohne buchstäblich Bauchschmerzen zu bekommen.
Auf den Komfortsitzen hatte ich noch Beinfreiheit und der Klapptisch war genau deswegen auch für mich nutzbar.

  • Die Gepäckablagen sind schmaler als anderswo, was auf einer Fahrt dazu führte, das ein größerer Rollkoffer in einer Kurve herunterfiel.
  • Das Geräuschlevel im Zug entspricht dem von Regionalzügen der Deutschen Bahn, der Fahrtwind ist sehr prominent.
  • Das WLAN ist vorhanden und funktioniert so gut oder so schlecht wie in allen Zügen im Deutschland der Funklöcher.
  • Die Mitnahme von Fahrrädern ist in begrenzter Zahl möglich, allerdings scheitert ein Lastenrad ebenso wie ein Rollstuhl schon an der schmalen Zugtür. Spezielle Plätze für Personen mit Rollstühlen habe ich nicht gesehen.
  • Es gibt keinen Speisewagen oder ein Bord-Bistro.

Pünktlichkeit

Gleich bei der ersten Nutzung hatte der Zug, der in Berlin losfuhr, schon im Berliner Hauptbahnhof 50 Minuten Verspätung. Am Ende waren es 55 Minuten.
Im Hamburger Hauptbahnhof traf, während ich auf den ICE nach Berlin wartete, ein FlixTrain aus Berlin mit über 100 Minuten Verspätung ein.

Beide Ereignisse sind nicht durch generelle Störungen auf der Strecke zu erklären, da die Züge der Deutschen Bahn gleichzeitig keine Verspätungen auf dieser Strecke aufwiesen.
Sie sind, wie der fehlende Wagen 5 bei meiner dritten Fahrt, nur durch Fehler bei der Zug-Bereitstellung zu erklären.

Von den von mir benutzten und beobachteten 4 FlixTrain-Zügen waren also offensichtlich 2 zu spät unterwegs.
Einem der beiden pünktlichen Züge fehlte ein Waggon.

Das ist keine besonders gute Quote bei dem relativ kleinen Zug-Angebot.

Fazit

Für eine kurze Strecke, wie die 2 Stunden zwischen Berlin und Hamburg etwa, an dem der Zielpunkt auch der Endpunkt der Reise ist, kann der FlixTrain eine tolle, preiswerte Alternative zur Deutschen Bahn sein, die man benutzen kann.

Für größere oder „umfangreichere“ Menschen sind längere Reisen auf einem Standardsitz sicher eher unbequem, auch weil die Sitze nicht in eine andere Position gebracht werden können.

Plant man eine Reise, die zeitnah am Zielort z.B. mit der Deutschen Bahn oder umgekehrt mit FlixTrain fortgesetzt werden soll, sollte man das Risiko einer Verspätung beachten, denn die Tickets könnten schlicht ihre Gültigkeit ohne Möglichkeit einer Rückzahlung verlieren, wenn man den Zielzug nicht pünktlich erreicht.

FlixTrain ist also ganz sicher preiswerter, hat aber am Ende mindestens dieselben Probleme wie etwa die Deutsche Bahn auch.

Author: Peter Wendel

"If you think you are too old to rock'n'roll then you are..." Lemmy Kilmister

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