Polizei: Der tägliche Autowahnsinn

Im Rahmen eines Tages, der sich um die Sensibilisierung zur Nutzung des Polizeinotrufs 110 bemühte, habe ich mal bewusst nur Tweets zum Thema „Verkehr“ gezählt und bin abschließend erstaunt, dass man sich nebenbei überhaupt noch um andere Dinge kümmern konnte, als um Autos.

Ausbeute eines Tages

Ich habe, soweit ich Gelegenheit dazu hatte, tagsüber im Verlauf von etwa 12 Stunden immer wieder meine Timeline gesichtet und die Einsatztweets der Polizei in Berlin gelesen.
Die Aufstellung kann natürlich auch Lücken aufweisen, denn ich könnte Tweets übersehen haben und weiß auch nicht, ob die Polizei wirklich alle Einsätze genannt hat.

Natürlich sind den ganzen Tag über auch andere Einsätze gelaufen, die nackte Männer vor Haustüren, hilflose Personen, Ladendiebe und Streitigkeiten aller Art betrafen.
Die Polizei leistet also jeden Tag einen Berg an wichtiger Arbeit für unsere Sicherheit.

Vielen Dank dafür!

Es geht hier auch explizit nicht um eine Kritik an der Polizeiarbeit, sondern nur um mal sichtbar zu machen, welchen Umfang Einsätze haben, die das Thema „Auto“ in sich tragen.
Bei wie vielen der Ereignisse es zusätzlich noch um Verletzte ging, ist aus den meisten Tweets nicht bekannt/benannt.

Autounfälle

Natürlich rückt die Polizei auch zu Autounfällen aus, bei den sie Unfallstellen sichern muss um so, im Sinne der Allgemeinheit weiteren Schaden an Menschen und Dingen zu verhindern.

Sehr oft dokumentiert die Polizei allerdings, im Grunde nur für die Abwicklung der privaten KFZ-Versicherungen, die Schäden und klärt eine Schuldfrage.

Einsätze, in den „Autounfall“ explizit genannt wurde, kamen hier 65 mal vor.

Dazu kommen noch zwei Unfälle zwischen Rollern und Auto und einer zwischen Rad und Auto.

Die besondere Art des „Parkschadens“, die ja nur einen Unfall bei einer bestimmten Tätigkeit mit dem Auto bezeichnet, wurde 9 mal gezählt.

Unfallflucht und motorisierte Gewalt

Für mich eher erschreckend ist die Zahl von Tweets, die das Wort „Unfallflucht“ und „Auto“ enthalten, denn es waren in dieser Zeit 6 Nennungen.

Vier Tweets enthielten explizit Einsätze zu „motorisierter Gewalt“ mit aggressiven Autofahrern bis hin zur konkreten Bedrohung durch den Versuch in das Autos des Anrufers zu gelangen.

Man erhielt in der Zeit offenbar auch 4 Hinweise zu Fahrern unter Alkohol oder Drogen.

Falschparken kaum ein Thema

Falschparker sind dagegen kaum ein Thema, Verkehrsbehinderungen scheint es nicht gegeben zu haben.
Die wenigen Tweets (4) betrafen z.B. das Räumen eines Halteverbotsbereichs für ein Filmset und einen Auto das auf einem Hydranten-Deckel stand, so das die Wasserwerke da nicht ran konnten.

Nur in einem war vom einem Auto auf einem Radweg die Rede.

Man war offenbar sogar öfter unterwegs um sich um rumstehende Autos zu kümmern:
Offenes Fenster, vergessene Handbremse und ein offener Kofferraumdeckel sind zumindest Gründe für einen Anruf bei 110.

Sollen Verbrecher fangen

„Law and Order“-Bürger, die oft bei solchen Aussagen selbst Auto sitzen, sagen ja dann befragt z.B. zum „Blitzermarathon“ gerne, die Polizei „solle doch lieber Verbrecher fangen“, als arme AutofahrerInnen zu belästigen.

Aber wie sich schon in dieser kleinen, nicht repräsentativen Übersicht zeigt, verbringt die Polizei in  ihrem Alltag ohnehin sehr viel Zeit mit „irgendwas mit Auto“.

Und trotzdem fangen sie auch noch „Verbrecher“.

Vergessen wird ja dabei auch häufig, dass die Aufnahme eines Blechschadens durch die Polizei ja dann noch zu einem möglichen Rattenschwanz an weiteren Kosten für die Allgemeinheit führt, bei dem ein Staatsanwalt darüber entscheidet, ob man das verfolgen will oder nicht, und weitere Kosten für Gerichtsverhandlungen etc. bis zu dem Punkt an dem ein möglicher Schuldiger für den Schaden auch wirklich gerade stehen muss.
Ich denke meistens übersteigt das schon die eigentlichen Kosten des Blechschadens…

Nochmal: Keine Kritik.

Nochmal sei erwähnt, dass das hier weder ein statistisch korrekter Ausschnitt ist, noch Kritik an der täglichen Arbeit der Polizei darstellt.

Mein persönliches Fazit ist, dass es kaum verwunderlich ist, dass man nicht viel Zeit mit der Kontrolle von Verkehr aller Art verbringt, weil man mit den Folgen schon gut beschäftigt ist.
Da ist sicher auch schlicht  Personalmangel als Ursache zu nennen.

Darüber hinaus erschreckt es mich, wie sehr das Auto das öffentliche Leben im Griff hat, wenn das Thema „Auto“ in der Höhe jeden Tag das Leben der Polizei bestimmt.
Das ist eigentlich ein Zeichen seiner Ineffizienz, wenn es ständig geregelt, reguliert und beaufsichtigt werden muss.

 
Andere Verkehrs-Nachrichten, die ich wegen der geringen Menge unter „was mit Fahrrad“ zusammengefasst habe, gab es genau 3, von denen eine Meldung auf die Wiederentdeckung eines gestohlenen Fahrrads hinwies, also ein echtes „Verbrechen“ zum Thema hatte.

Author: Peter Wendel

"If you think you are too old to rock'n'roll then you are..." Lemmy Kilmister

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